Alles begann mit einer
winzigen, glibberigen Zelle...
So lässt sich das neue Game für den PC wohl am Besten
einleiten. Die Evolution zum Anfassen, klingt zuerst sehr lehrreich, ist aber
weder streng noch langweilig, sondern soll laut Hersteller eine riesige Portion
Spaß mit sich bringen. Wie viel Spaß das Würmchen vom Anfang wirklich mit sich
bringt haben wir für euch getestet.
Man startet als ein kleiner, glibberiger Organismus im
Meer, auch genannt Zelle. Deswegen auch der Name der ersten Phase des Spiels,
der Zellphase. Hier kämpft man nun
ums Überleben, indem man diversen Fressfeinden ausweicht. Aber halt, gehen wir
einen Schritt zurück. Denn wer letztendlich die Fressfeinde sind wird noch
zuvor entschieden, wenn man wählen muss ob man einmal ein Pflanzen-, Fleisch-,
oder Allesfresser werden will- eben ganz biologisch korrekt.
Eigentlich hat man in der ersten Zeit nur zwei nicht ganz
unwichtige Aufgaben: Fressen und verhindern, dass man selbst zur Nahrung wird.
Aus der Vogelperspektive lenkt man seine Zelle und
versucht allem, was einem ggf. schaden könnte auszuweichen. Per Mausklick
gelangt man zum nächsten Ziel, schwimmt durchs Wasser, oder erlaubt sich kleine
Späße mit anderen Bewohnern. Eine tolle Methode, um auch schon Sechsjährigen
das Spielen ermöglichen zu können. Besonders der Monstereditor eignet sich
hierzu besonders gut. Aber dazu später mehr.
Man versucht nun möglichst viel DNA zu finden, oder
paarungswillige Zellen aufzuspüren, um sich mit diesen zu paaren und sich
weiterzuentwickeln. Mit dem Kreaturenbaukasten werden einem eine ganze Menge
Möglichkeiten geboten, wie man seine Zelle erweitern will. Vieles ist möglich:
Stachel, Schnelligkeit, Stärke, Größe oder Gift.
Auch Farben und Formen sind vollkommen in die eigene Hand
gegeben worden. Jedoch sollte man sich nun entscheiden, ob man lieber ein
Fleischfresser bleiben will, oder man doch lieber zu den Vegetariern übergehen
möchte- noch kann man wechseln.
Ebenso variabel ist, dass man sich noch aussuchen kann,
ob man lieber aktiv, oder passiv spielt.
Auch wenn Spore momentan in der Anfangsphase noch eher
einem einfachen Minigame gleicht, so wird sich das noch früh genug ändern.
Denn schon hier, in der zweiten Phase, wird es schon
etwas komplexer. Namentlich wird die zweite Phase „Kreaturenphase" genannt. Langsam, nach viel, viel Fressen erlangt
man die erste Art eines Bewusstseins. Außerdem entwickelt man einen Drang an
Land zu kommen, denn wer hat nach Jahrhunderten im Wasser nicht langsam mal die
Nase voll vom kalten Nass? An dieser Stelle zumindest ist hier Schluss mit
Wasser. Man betritt zum ersten Mal das trockene Land. Aber nicht nur das
verändert sich, auch der Kreaturenbaukasten mausert sich zu einem gewaltigen
Baukasten mit Knochen, Weichteilen wie Augen und diversen anderen Gliedmaßen.
Mit denen kann man sich nun nach und nach strecken und somit wachsen. Außerdem
kann man sich mit Sinnesorganen ausstatten wie es einem beliebt. Zwei Augen
sind langweilig? Na dann nehme man doch einfach nur eins, oder drei, vier, oder
noch mehr! Oder wie sieht es mit Nasen aus? Eine ist zu wenig, dann nimmt man
eben zwei. Wie ihr seht, eurer Phantasie sind keinerlei Grenzen gesetzt! Somit
kann man sich Kreaturen erschaffen, die die Welt noch nie gesehen hat- und
wahrscheinlich nie sehen wird. Jedoch ist diese Art von Veränderungen auch nur
möglich, wenn zuvor eine paarungswillige Artgenossin gefunden wurde.
Es macht eine Menge Spaß sich an dem Baukasten vollkommen
kreativ auszulassen und immer wieder neue Kreaturen zu erstellen. Leider
erkennt man jedoch nicht, welches von den Gliedmaßen man schon besitzt, was
schade ist und auch leicht irritiert, da die riesige Auswahl hier eher negativ
ist.
Die Kulisse in der zweiten Stufe hält sich einigermaßen
in Grenzen, da es noch sehr früh in der Evolution ist und die Natur
ausschließlich aus Erde, Wasser und ein bisschen Grünzeug wie kleinen Bäumen,
oder Sträuchern besteht. Auf große Details, oder Feinheiten wurde hier jedoch
verzichtet. Somit gibt es nur Tag und Nacht wechsel, Wasserspiegelungen und
Windbeeinflussungen, was jedoch nicht weiter schlimm ist, da es dennoch sehr
ansehnlich ist.
Ein Nest steht hier als Futter- und Verbündetensuche zur
Verfügung.
Kommen wir nun aber nochmal dazu, wie sich diverse Wahlen
zu Beginn auf das weitere Geschehen auswirken. So ist es ein deutlicher
Unterschied, ob man als Pflanzenfresser den festen Boden erreicht, oder als
Fleischfresser bzw. Allesfresser. Charakterlich werden diese drei Gruppen in
sozial, angepasst, oder Räuber eingeteilt.
Wie die Gruppen nun fast schon verraten, verhält man sich
als Tier einer Gruppe auch komplett anders, als eines der anderen Gruppe.
Pflanzenfresser müssen sich als erstes um einen geeigneten Schutz vor
Fressfeinden bemühen, wer jedoch ein Fleischfresser, also ein Räuber ist, der
muss zusehen, dass er möglichst schnell an Nahrung kommt um zu überleben. In
dieser Perspektive wird einem aber auch erstmal klar, wie klein und hilflos man
gegen so manch anderen, schon weiter entwickelten Organismus ist.
In dieser Phase des Spiels ist es die Aufgabe, entweder
sich mit anderen Spezies zu verbünden, oder versuchen sämtliche Gegner
auszurotten.
Hier kommt die versprochene Komplexität zustande, von der
ich oben schon einmal gesprochen habe. Hier gilt allein das Motto: „Viele Wege
führen nach Rom". Man hat die Auswahl zwischen den verschiedensten Wegen,
friedlich, böse, oder halb und halb. Interessant wird es, wenn man auf
Kreaturen mit höherem Level stößt. Diese gilt es dann mit dem selben Können zu
überzeugen, wie sie es auch besitzen.
Hat man es geschafft die Kreatur zu überzeugen provitiert
einerseits der eigene Baukasten, als auch das neue Bündnis, das dadurch
eingegangen wird. Real wird es dann wenn die Pflanzenfresser sich zusammen tun
und gemeinsam gegen die Fleischfresser vorgehen. Hier wurde das biologische
Verhalten der Tiere genau getroffen. Bei solchen Angriffen wehrt man sich nun
mit den Attacken, die man zuvor oben erlernt hat.
Nun steigt man in die dritte Stufe auf, die sogenannte Stammesphase. Hier wird einem ein
primitives Stammleben präsentiert in dem man sich mit seinen Verbündeten
zurechtfinden, wachsen und weiterentwickeln muss. Leider lässt in dieser Phase
die Tiefe des Spiels irgendwie zu wünschen übrig. Zwar baut sich hier nach und
nach das eigentliche Echtzeit Spiel auf, jedoch gibt es nun nur noch sehr
wenige Auswahlmöglichkeiten, was den Platz des Lagers, oder die körperlichen
Veränderungen angeht. Allgemein hat das Spiel unserer Meinung nach hier den
Punkt wo es seinen Reiz nach und nach verliert, da es ab diesem Zeitpunkt eigentlich
nur noch darum geht, sich eine Siedlung und später eine Stadt aufzubauen und es
dann dabei bleibt. Aber nun erst einmal weiter in der Phase drei. Neu sind hier
die Werkzeuge, Waffen und Gebäude, jedoch können die nicht über die deutlichen
Mängel hinwegtäuschen.
Was noch gut ist, dass man hier zum ersten Mal sieht, wie
ehemalige Verbündetet im Niveau hängen bleiben und nun nicht mehr mithalten
können. Auch hier ist das Ziel wieder, dass man entweder Bündnisse eingehen
muss, oder durch Krieg alle anderen Stämme zerstört werden müssen, damit man
der Einzige ist. Leider sind die Kämpfe nicht sehr eindrucksvoll, sondern
wirken eher primitiv und einfach. Es werden keine hochkomplexen, physikalischen
Meisterleistungen präsentiert, sondern alles beläuft sich auf einfache Nah- und
Fernkämpfe. In der friedlichen Version muss man dagegen eher mit musikalischen
Meisterleistungen glänzen.
Danach wird einem wiederrum ein Stil zugeteilt. Zur
Verfügung stehen „Aggressiv", „Arbeitssam" (Was auch immer das Wort bedeuten
mag, da sogar unser Rechtschreibprogramm versagte) und „Freundlich".
In der Zivilisationsphase,
der vierten von fünf Phasen kommen nur noch Tätigkeiten wie Handel, oder
Religion hinzu, ansonsten bietet es nicht viel neues, außer dass hier der
Baukasten nochmal versucht aufzutrumpfen, wobei dieser bei der Komplexität die
er inzwischen erreicht fast schon anstrengend ist, da man wirklich alles- bis
ins kleinste Detail- selbst gestalten muss. Rein körperlich kann man sich nun
aber gar nicht mehr verändern.
Viel mehr kann, oder wollen wir zu dieser Phase auch gar
nicht mehr sagen, da sich nicht mehr viel verändert, außer dass alles noch
weiter wächst und sich zivilisiert.
Kommen wir nun lieber zu Stufe 5, der Weltraumphase. Hier öffnet sich einem
ein riesiges Universum, in dem man sich erst mal zurecht finden muss. Jedoch
kommt man dem System sehr leicht auf die Schliche und ab diesem Teil...naja
ebenfalls nicht viel mehr Besonderes.
Außer, dass sich das Ziel ändert, was das Ganze doch
wieder interessant macht: Man bekommt den Auftrag, ein uraltes Artefakt zu
bergen, was einem nochmal eine gewisse Motivation schenkt. Leider erinnern die
Planeten etwas zu stark an die Weltraumumgebung von Mario Galaxie. Richtig gut
dagegen sind die Erforschungsmöglichkeiten: Man klickt zum Beispiel eine
Pflanze an und sofort erscheint ein extra Fenster mit allen Wissenswerten Infos
und einem Bild.
Hauptziel dieser letzten Phase ist es jedoch bis ins
Innere des Universums vorzudringen. Um das zu schaffen muss man versuchen den
Weltraum zu kolonisieren. Wieder geht es darum möglichst zu wachsen und stärker
zu werden- wie eigentlich schon im ganzen Spiel.
Nun kommen wir aber zu Grafik, die im Spiel wirklich
nicht schlecht geworden ist. Es wurde sehr auf knall bunte Farben, ein lustiges
Ambiente und sehr viele und auch auf kleine Details geachtet. Außerdem wurde
darauf geachtet, dass die Zellen und die weiteren Kreaturen- soweit diese
existieren- ihren realen Artgenossen sehr ähnlich sehen, was positiv auffällt
und das Spiel der Realität näher bringt.
Auch die Umwelt wurde ganz gut umgesetzt, wenn auch auf
einem mittelmäßigem Niveau. Die Wetter- und Tageszeitenwechsel sind gut
gelungen und auch die Pflanzen wurden sehr detailliert und nett dargestellt.
Leider müssen wir beim Sound ein paar Abstriche machen,
da wir etwas mehr Kreativität erwartet hätten und die Melodien so etwas
eintönig sind.
Einfache Melodien, mit wenig Abwechslung, die nicht für
eine große Motivation sorgen können, was sehr schade ist.
Das Game-Play ist ganz gut, allerdings wird das Spiel
besonders kleineren Kindern im Alter zwischen 6 und 10 Jahren besonders gut
gefallen, da es für Größere etwas zu einfach ist und die Struktur etwas
eintönig ist, da sich die einzelnen Phasen ca. ab der Hälfte immer ähnlicher
werden und nur wenig Neues kommt. Besonders negativ ist uns jedoch etwas
anderes aufgefallen: Der vermutete Multiplayer, auf den sich alle bei uns
gefreut haben, existierte gar nicht, dabei wäre Spore das perfekte Spiel für
einen solchen gewesen. Sehr schade...
Tja und nun? Man hat es geschafft sich viele mehr, oder
weniger gute Kolonien aufzubauen und überwacht eigentlich nur noch, ob es den
Kolonien gut geht und sie zufrieden leben. Hier endet das Spiel, das leider
keinerlei Wiederspielwert hat...
Fazit: An sich
ist das Spiel recht schön und auch relativ komplex, jedoch hapert es auf dessen
Kosten an Tiefe und besonderen Details die das Spiel noch viel interessanter
machen würden (z.B. bei den Kämpfen, in den Unterschieden der Aufgaben o.ä.). Dagegen kann man in diesem
Spiel sehr viel lernen und immer wieder auf neue versuchen sich eine halbwegs
anständige Infrastruktur aufzubauen. Mehr beinhaltet das Spiel leider nicht, weshalb wir denken, dass es eher für
kleinere Kinder geeignet ist.