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Schnappschuss
Expertgamer_911

postheadericon Heavy Rain

 

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Es regnet. Und zwar pausenlos. Der Himmel befindet sich in einem permanenten Grauzustand und so auch die Umgebung. Was ist das für eine Kiste, die man mir geschickt hat, deren Inhalt so abstrus wie gefährlich ist: 5 Origamifiguren und eine Pistole, die mich vor verschiedene Aufgaben stellen.


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Spiel, Film, oder beides?

 

2Zurück zum Anfang. Mein Name ist Ethan Mars, und ich erwache an einem sonnigen Morgen in meinem Bett. Als ich aufstehe entdecke ich einen kleinen Brief von meiner Frau, die mir mitteilt, dass sie noch schnell einkaufen ist und dann die Kinder von der Schule abholt. In diesem Abschnitt wird mir die Steuerung nahegebracht, mit R2 bewege ich mich geradeaus, während ich mit dem linken Stick die Richtung angebe. Verschiedene Bewegungen mit dem Analogstick lassen mich Schränke, Türen oder Sonstiges öffnen und auch alle anderen Bewegungen ausführen. Wo man etwas machen kann wird durch Symbole angezeigt, die langsam eingeblendet werden. Meine möglichen Gedanken werden per Druck auf L2 eingeblendet, so kann ich mir auch meine nächsten Möglichkeiten anzeigen lassen. Zuerst mal duschen, danach abtrocknen, was durch Schütteln des Controllers in die angegebene Richtung erreicht wird, ebenso wie beim Zähneputzen.

 

Diese Bewegungen sorgen dafür, dass man sich mitten im Geschehen wähnt, während man auf Lebensanzeige oder Sonstiges verzichten muss. Man tut einfach so, als wäre man unmittelbar im Geschehen. Es gibt kein HUD, keine Punkte, kein gar nichts, was einen vom Erleben der Story auf dem Bildschirm ablenken könnte.

 

4Nachdem ich etwas gearbeitet habe kommt meine Frau nach Hause, der ich pflichtbewusst die Einkäufe abnehme und danach den Tisch decke. Keine Hektik, nur ein ganz normaler Tag also.

Ganz langsam nimmt das Spiel so Fahrt auf, der Besuch im Einkaufszentrum, bei dem Ethan´s Sohn stirbt, gibt nur einen Vorgeschmack auf das was noch kommen mag.

Zu diesem Zeitpunkt lernt man den zweiten spielbaren Charakter kennen, Scott Shelby, ein Privatdetektiv, der nach einem Killer sucht, der in der Stadt sein Unwesen treibt: 8 Kinder sind ihm bereits zum Opfer gefallen, alles Jungen, und jeden findet man mit einer Orchidee auf der Brust und einer Origamifigur in der Hand tot auf, im Regenwasser ertrunken. Dies ist auch der Kern der Story, die Suche nach dem Killer.

 

Zwischen dem Tod von Ethan´s Sohn und der Handlung mit Shelby vergehen übrigens 6 Monate in denen Ethans Ehe zerbricht und er in einem heruntergekommenen Haus sein Dasein fristet. Und gerade jetzt wird auch noch sein zweiter Sohn entführt und man erhält die bereits oben erwähnte Kiste. Meistert man die 5 Prüfungen des Killers erhält man seinen Sohn zurück, sollte 8man scheitern ist der Junge tot.

Zusätzlich zu den bereits oben erwähnten Protagonisten darf man seine Zeit auch mit dem FBI-Agenten Norman Jayden und der Reporterin Madison Paige verbringen, wobei besonders Jayden einen ganz neuen Aspekt mit einbringt: der drogenabhängige Agent verfügt nämlich über das ARI-System, welches es möglich macht, Spuren an der Tatorten aufzuspüren und sofort zu analysieren. Ganz im Stile von CSI kann man hier selber Verknüpfungen ziehen und sich während des Spielens bereits Gedanken über mögliche Verdächtige machen.

 

Jeder der 4 Charaktere hat seinen eigenen Antrieb, der Vater, der seinen Sohn sucht, der Agent, der seinen Job machen will, der Detektiv, der für solche Aufträge bezahlt wird oder die Journalistin, die auf der Suche nach einer neuen Story ist.

 

Grafikfeuerwerk oder Knallfrosch?

 

Ganz einfach: die Grafik grenzt schon fast an Fotorealismus. Vor allem während der Rendersequenzen. 5Was hier geboten wird ist das absolut Beste, was man bislang auf Konsolen sehen konnte. Die spielbaren Charaktere sind bis auf das kleinste Detail lebensecht animiert und wirken absolut realistisch. Während der Ladepausen wird immer das Gesicht der nächsten Person eingeblendet, und während man in Ethans ständig trauriges Gesicht sieht, bemerkt man das Mahlen der Kiefer, die Anspannung der Muskeln im Gesicht und die Verzweiflung die ihn ständig zu umgeben scheint. Ebenso kann man die Entschlossenheit im Gesicht des FBI-Agenten sehen, und auch bei den anderen beiden Charakteren entdeckt man jedesmal neue Emotionen.

Leider sind die Nebencharaktere nicht so gut gelungen: Quantic Dreams hat diesen scheinbar keinen so großen Wert beibemessen und sie leider etwas lieblos gestaltet. Man möge mich hier bitte nicht falsch verstehen, alles an diesem Spiel ist eine grafische Höchstleistung, jedoch merkt man einen leichten, aber doch sichtbaren Unterschied zwischen den Haupt- und Nebenfiguren. Leider wird das Bild immer mal wieder von leichtem Tearing zerrissen, wobei die Ober- und die Unterhälfte versetzt voneinander dargestellt werden. Aber auch dies geschieht auf ganz hohem Niveau und kann durchaus verziehen werden.

 

Wie weit würdest Du gehen?

 

Das ist scheinbar in diesem Spiel die alles entscheidende Frage. Da jede der 4 Hauptfiguren im 7späteren Spiel sterben kann muss man seine Entscheidungen sehr genau abwägen. Jede Entscheidung hat wie im richtigen Leben ihre Konsequenzen und nichts bleibt ohne Folgen. Sobald eine Spielfigur stirbt geht das Spiel ohne sie weiter. Gerade deswegen, und weil die Charaktere mit ihren Eigenheiten einem doch nicht egal sind, wägt man im späteren Spiel doch alles ab, wie verhalte ich mich in dieser, wie in jener Situation? Erschieße ich den Mann, der mich meinen Partner mit der Waffe bedroht oder versuche ich ihn zu überreden, die Pistole hinzulegen und sich zu ergeben? Genau wie die Gedanken, die man per L2 einblenden kann, werden auch diese Möglichkeiten um den Kopf schwebend eingeblendet. Befindet man sich dabei jedoch in einer Stresssituation, verschwimmen und verwackeln die Möglichkeiten. Einerseits wird so die entsprechende Situation auf den Spieler übertragen, andererseits kann man so die Panik des Protagonisten deutlich erkennen. Es bedarf schon eines genauen Auges, die gewünschte Antwort zu erkennen und sie dann auch noch durchzuführen. Wenn man sich nämlich zu lange Zeit lässt, passiert automatisch etwas, und das ist nicht immer die beste Lösung.

 

Präsentation

 

Wie bereits oben erwähnt, ist die Grafik momentan vollkommen up to date. Die Gesichter sind weich 3animiert, die Rendersequenzen lassen mich meinen, ich säße im Kino und würde mir den Film zum Spiel ansehen. Untertitel können eingeblendet werden, jedoch ist das eigentlich unnötig, da die deutsche Synchronisierung sehr gut gelungen ist. Die Texte passen hervorragend zu den Gesichtsausdrücken der Personen. Die Musik fängt die Stimmung sehr gut ein, melancholische Klänge unterstreichen die Ausweglosigkeit der Situation, die die Charaktere zu durchleben haben. In stressigen Abschnitten passt sich die Musik an und wechselt zu einer bedrohlichen Symphonie des Schauerns. Die Kamerafahrten sind durchweg sehr gut in Szene gesetzt, es ist einfach herrlich zu sehen was dieses Spiel hergibt. Alles wirkt lebendig, im Hintergrund kann man sehen, was Statisten machen, es wirkt einfach alles echt.

Wie bereits auf Fahrenheit bekannt wird in bestimmten Situationen das Bild gesplittet, während man z.B. auf der Liege des Psychiaters sitzt kann man sehen wie das Licht im Hintergrund auf den Charakter fällt während der Seelenklempner die eigene Psyche analysiert. Und dabei kann man sich sogar noch bewegen, im Raum umhergehen und sich dabei umsehen.

 

Fazit

 

Heavy Rain ist für mich ein ganz heißer Kandidat für das Spiel des Jahres. Die Situationen, die Bewegungen, einfach das ganze Spiel ist grandios in Szene gesetzt. Auch wenn es etwas langweilig anfängt (Orangensaft schütteln ist halt nichts für Shooterfans) steigert sich die Spannung während der ca. 10 Stunden Spielzeit doch permanent bis zum Ende. Und obwohl Fahrenheit der geistige Vater des Spiels ist kann Heavy Rain hier in allen Punkten eine positivere Bilanz verzeichnen. Quantic Dreams hat tatsächlich ganze Arbeit geleistet, das hier ist ein Spiel, das neue Wege beschreitet und wirklich jeden unterhält, sei es nun den der spielt oder den der nur daneben sitzt und zusieht.

 

 

 


 pro  contra

-Grafik auf höchstem Niveau

-steigende Spannung

-grandiose Unterhaltung

-Vielfältigkeit                                                         

 

 

 

 

 

 

 

-kleine Feinheiten in der Grafik nicht optimal

-Anfang etwas langweilig

 

 

  91 % 
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